Mondo Reverso 01 – Cornelia & Lindbergh

Eine ganz ungewöhnliche Serie konnte der Schreiber & Leser-Verlag in diesem Jahr an den Start bringen. In Mondo Reverso laufen die Dinge anders als man erwarten muss. Und trotzdem handelt es sich um den klassischen Stoff des Westerns. Die beiden verantwortlichen Autoren reißen den Leser mit auf einer abenteuerlichern Genderbender-Fahrt mit vielen versteckten Hinweisen und Anspielungen.

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Luc Orient 02: Die gefrorenen Sonnen

Gemeinsam mit dem ersten Band der Reihe hat der All Verlag auch Band 2 von Luc Orient auf den Markt geworfen. Und das ist auch gut so, denn im ersten Band hat die Geschichte lediglich Fahrt aufgenommen und es gab leise Andeutungen, was noch folgen solle.

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Der Mars als modernes Australien 2.0

On Mars_01: Eine neue Welt

Die neue Splitter-Reihe On Mars_ sorgt mit einem gelungenen Auftaktband für gehörig Spannung. Im Jahr 2132 gehen die Uhren auf der Erde anders. Der Planet liegt im Sterben, seine Ressourcen sind ausgebeutet. Straftäter, die auf der Erde zu fünf oder mehr Jahren Gefängnis verurteilt worden sind, werden zur Zwangsarbeit auf dem Mars gezwungen, der den Menschen eine neue Heimat bieten soll.

Die Verbindung zur Besiedlung Australiens, als britische Straftäter haufenweise in die neue Welt verschifft wurden, nur um dann zum Gründungsvater eines neuen Kontinents zu werden, liegt nahe. Der Mars ist ein karges und heißes Fleckchen, ganz wie Australien übrigens, und hat für die Neuankömmlinge einige Schrecken parat. Die Arbeit, die zu verrichten ist, ist hart und die Aussicht über Jahrzehnte hinweg nichts anderes mehr zu tun, deprimierend.

Gleich im ersten Panel treffen wir unsere Hauptfigur. Jasmine Stenford war Polizistin auf der Erde. Bei einer Razzia erschießt sie die Tochter eines einflussreichen Politikers und wird in der Folge zu 20 Jahren Zwangsarbeit auf dem Mars verurteilt. Wir steigen in die Geschichte ein, als Jasmine gerade ihr Atemwegsimplantat eingesetzt bekommt, damit das Atmen in der Atmosphäre des Mars kein Problem darstellt. Gerade angekommen auf dem roten Planeten, muss sie sich der harten und unbarmherzigen Wirklichkeit in einer brutalen Gesellschaft stellen.

Von ihren Leidensgenossen wird sie nicht unbedingt herzlich aufgenommen. Lediglich Alan scheint ihr zunächst zugewandt. Auf einem nächtlichen Ausflug aus der Barracke entpuppt sich dieser aber als Vergewaltiger und wird von Jasmine getötet. Und wird schlagartig bewusst, dass natürlich alle die hier auf dem Mars sind vermutlich auch etwas auf dem Kerbholz haben. Jasmine ist also vorsichtig, denn man kann gar nicht vorsichtig genug sein.

Depression und Selbstmord sind an der Tagesordnung in dieser trostlosen Einöde. Ein weiterer Mithäftling, namens Josh, geht ebenfalls freundlich auf Jasmine zu und erzählt ihr, dass es unter den Häftlingen eine religiöse Bewegung gibt, die von einem brasilianischen Prediger geführt wird. Die Glaubensrichtug ist dem Synkretismus nahestehend. Der Band 1 der Reihe klärt noch nicht darüber auf, wie diese Sekte/Religion Einfluss auf die Geschichte ausüben könnte. Erste zarte aufrührerische Bestrebungen sind jedoch bereits spürbar.

So weit die Storyline. Die Geschichte ist fesselnd erzählt und führt einige interessante Figuren ein, von denen wir noch bruchstückhaft etwas erfahren. Da darf der Leser auf den zweiten Band gespannt sein.

Die Geschichte baut in der Szenerie Parallelen zu einem Arbeitslager auf, einem Konzentrationslager im Deutschen Reich zur Zeit des Zweiten Weltkriegs nicht unähnlich. Die Häftlinge dürfen einmal in der Woche alle gemeinsam in einer Massenanlage duschen. Noch ohne weitere Folgen…

Sci-Fi-Veteran Sylvain Runberg (Orbital) bleibt seiner realistischen Linie treu. Er bringt keine Aliens in die Geschichte, sondern hält sich an Fakten. Die ebenfalls detailreichen Zeichnungen von Grun (d.i. Ludovic Dubois) verstärken diese realistische Ader noch zusätzlich.

Eine wichtige Rolle nimmt die religiöse Bewegung in der Marskolonie ein. Diese Bewegung hängt den Lehren des Synkretismus nach. Das bedeutet, verschiedene Elemente aus unterschiedlichen Religionen vermischen sich und bilden eine neue und womöglich bessere Religion. Oder doch nicht? Sind es nur Häftlinge, die versuchen für sich Vorteile herauszuschlagen. Das würde zumindest in diese ach so realistische Welt blendend hineinpassen.

Fazit

Die Lektüre ist kurzweilig und wartet bereits im ersten Band auch mit einigen philosophischen Ideen auf. Ich war gut unterhalten beim Lesen, auch wenn es keine schöne und faszinierende Welt ist, auf die man trifft.

Ich vergebe an dieses Werk 4/5 Punkten und empfehle es uneingeschränkt an Science-Fiction- und Thriller-Fans. An Action fehlt es nicht und es fließt reichlich Blut. Das ist nicht für jeden etwas. Wer es nicht so sehr kriegerisch mag, kann auf diesen Kauf verzichten.

Sylvain Runberg / Grun: On Mars_01: Eine neue Welt. Splitter Verlag 2019. 56 Seiten (+20 Seiten Zeichnungen und Figurenentwicklung). Hardcover. 18,80 €.

Feuerdrachen im All – Luc Orient in Neuausgabe

Dem All Verlag ist ein großes Dankeschön auszusprechen. Die wundervoll nostalgische Science-Fiction/Mystery-Serie Luc Orient erhält eine neue Gesamtausgabe. Schön verpackt im Hardcover kommt die Ausgabe daher und sie zieht den Leser gleich in den Bann der 60er Jahre. Ja, die Figuren wirken altbacken, aber die Geschichte hat eben auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Im Ganzen weiß sie nach wie vor Leser jeden Alters zu fesseln.

Ich persönlich ärgere mich schon lange, dass die zuletz erschienene Gesamtausgabe von Luc Orient vergriffen ist und somit nur zu extrem teuren Preisen zu haben ist. Diese Veröffentlichung kommt mir wie gerufen. Ich greife also gerne bei den beiden ersten veröffentlichten Bänden zu.

Band 1 Die Feuerdrachen baut die zentrale Welt des Luc Orient-Universums auf und führt die wichtigsten Figuren ein. Neben den feschen Draufgänger Luc Orient auch noch Professor Kala und auch seine Assistentin Lora. Mit Dr. Argos betritt auch ein zentraler Bösewicht gleich im ersten Band mehrfach die Bühne.

Inhalt:

In Diensten der Forschungseinrichtung Eurokristall spüren der Physiker Luc Orient, sein Vorgesetzter Professor Hugo Kala und dessen Assistentin Lora Jordan paranormalen Phänomenen nach und lösen wissenschaftliche Rätsel.

In seinem ersten Abenteuer verschlägt eine geheimnisvolle Botschaft das Trio in den Mittleren Osten. Angeblich soll es dort größere Vorkommen der sagenumwobenen »verbotenen Steine« geben, von denen eine alte Legende erzählt. Luc und seine Freunde machen sich auf die Suche und kommen der Wahrheit hinter den seit Generationen überlieferten Geschichten auf die Spur. Im Tal von Sher-Dahng stoßen sie dabei auf die letzten extraterrestrischen Überlebenden einer interstellaren Mission…

Rezension:

Die Geschichte folgt klassischen erzählerischen Mustern und baut eine Bedrohung für die ganze Welt auf. Auch wenn noch nicht ganz klar wird, worin diese Bedrohung eigentlich besteht, erkennt der Leser, dass hier offensichtlich sehr starke Mächte am Werk sind.

Ich fühle mich gleich in die filmische Welt der 60er Jahre versetzt und genieße das beim Lesen jeder einzelnen Seite. Ich möchte schon nach kurzer Zeit, dass die Lektüre gar nicht enden möge.

Die Zeichnungen haben einen klaren Stil, sind detailliert und lebendig. Die Texte sind durchaus üppig auch wenn lange Hintergrundinformationen fehlen. Die Figuren lassen sich mit ihrem Eigenleben dadurch sehr schnell entwickeln.

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Titelbild, Inhaltstext und Abbildung © All Verlag

Es gibt alles, was das Herz eines Abenteurers bewegt: Helden und Bösewichte, Verfolgungsjagden, Kämpfe mit wilden Tieren, Außerirdische und spannende spontane Veränderungen der Gemütslage.

Fazit:

Luc Orient hat nicht nur einen nostalgischen Wert. Die Geschichten können einfach immer wieder erzählt werden und verlieren keineswegs an Charme. Die altmodische Kleidung der Figuren und der dazu passende Zeichenstil machen die Geschichte eher aus, als dass sie stören.

Ich habe die Story inhaliert und obwohl ich das Gesamtbild schon kenne, habe ich die Geschichte doch mit großem Interesse bis zum letzten Wort gelesen. Band 2 liegt schon bereit und wird für das Wochenende gebunkert. Die gefrorenen Sonnen werden mich bestimmt ebenso begeistern. Das weiß ich bereits.

Ich gebe eine vollständige Leseempfehlung an Fans des Genres, die vor Klassikern nicht zurückschrecken. Im Bereich Science-Fiction und Mystery gehört Luc Orient zu den Besten der Liga und ist mehr als lesenswert.

Greg / Paape: Luc Orient Bd. 1 – Die Feuerdrachen. All Verlag 2019. 64 Seiten. Hardcover. 15,80 €.

Zukunft und Vergangenheit – Splitter im März 2019

Von Römern und Batavern am Niederrhein: Auguria 1

Der Niederländer Peter Nuyten („Apache Junction“) bringt mit Auguria 1: Ecce Signum eine neue Serie an den Start. Zurückgeworfen in die Antike wird der Leser mit einer römischen Welt konfrontiert, die sich in Rom selbst aber auch in Germanien abspielt. Die legendären Rheintruppen  und deren ständiger Konflikt mit germanischen Stämmen bieten reichlich Stoff für heldenhafte und spannende Erzählungen.

Die Serie ist auf drei Bände angelegt und bietet daher ein überschaubares Spektrum an. Für mich als knallharten Fan der historischen Erzählungen ist Auguria 1: Ecce Signum ein absolutes Muss. Ich freue mich schon auf die Lieferung und das Loslesen. Peter Nuyten ist bekannt dafür viel Text in seine Geschichten einzuarbeiten. Das liebe ich!

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Peter Nuyten: Auguria 1:Ecce Signum. Splitter 2019. Hardcover. 80 Seiten + Bonumaterial. 18,80 €

Kolonisation des Mars im Jahr 2132: On Mars_ 1

Sylvain Runberg beshäftigt sich in On Mars_ 1: Eine neue Welt mit der Zukunft und lässt dem Planeten Erde nicht viel Hoffnung. Die Ressourcen sind aufgebraucht und eine Kolonisation des Mars ist unausweichlich für das Überleben der Menschheit. Das ist nun wirklich keine neue Idee, aber man muss Runberg zutrauen eine spannende Geschichte daraus zu spinnen.

In der Kooperation mit dem Zeichner Grun erschaft Runberg wieder ein realistisches Bild mit einer stringenten Handlung. Auch diese Reihe ist auf drei Bände angelegt. Ich werde diese Serie anlesen, obwohl Science-Fiction nicht so meine Richtung ist. Ich vertraue aber auf die erzählerischen Fähigkeiten von Sylvain Runberg, der mich schon fesseln wird.

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Sylvain Runberg/Grun: On Mars_ 1: Eine neue Welt. Splitter 2019. Hardcover. 80 Seiten. 18,80 €

Der März bringt zwei neue Serien und ich finde, beide sind es Wert gelesen zu werden.

Welches Genre bevorzugt ihr? Science-Fiction oder Geschichte? Für mich siegt da klar die Geschichte.

 

Die Ritter von Heliopolis 1 – Düsterer Auftakt und schwarze Magie

Das Setting der Geschichte führt den Leser nach Frankreich in das Zeitalter der Französischen Revolution. Es handelt sich um eine sehr düstere und beklemmende Geschichte, die das hässliche Gesicht der damaligen Zeit schonungslos offenbart. Weiterlesen „Die Ritter von Heliopolis 1 – Düsterer Auftakt und schwarze Magie“

Der Mann meines Bruders 01 – Rührselig und Nachdenklich

Bei der neuen Manga-Reihe Der Mann meines Bruders aus dem Carlsen Manga-Sortiment handelt es sich um ein behutsames Herantasten an große Gefühle. Die homosexuelle Liebe zwischen dem Japaner Ryoji und dem Kanadier Mike ist zum Zeitpunkt des Erzählstarts bereits beendet, da Ryoji verstorben ist, ist aber die Triebfeder aller Handlungen und Gefühle, die in diesem Werk auf den Leser hereinprasseln.

Das Thema Homosexualität ist ohnehin kein unvorbelastetes Sujet, aber besonders in Japan ist die Entwicklung im Rahmen der Gay Rights noch nicht besonders weit fortgeschritten. Gengoroh Tagame weiß um diesen Mangel der japanischen Gesellschaft und klagt dies mehrfach in diesem pädagogisch wertvollen Buch an.

Inhalt:

Yaichi lebt mit seiner Tochter Kana zusammen. Mike, ein stolzer Kanadier, steht plötzlich vor der Tür und ist für Yaichi kein Unbekannter. Er hat in Kanada Yaichis Bruder, Ryoji, geheiratet. Während Yaichi große Berührungsängste mit dem Thema Homosexualität hat, kann seine Tochter Kana völlig unverfangen mit Mike umgehen. Yaichi fängt an seine Einstellungen zu überdenken.

Rezension:

Sind homosexuell ausgerichtete Menschen andere Menschen? Nein, natürlich nicht. Aber dieses Vorurteil treibt Yaichi um und wir dürfen davon ausgehen, dass Yaichi an dieser Stelle für einen Teil der japanischen Gesellschaft steht. Als Mike zum ersten Mal im Leben von Kana und Yaichi auftaucht, weiß Yaichi nicht, wie er mit ihm umgehen soll. Vielleicht isst er ja auch anders oder hat seltsame Ansichten. Besonders problematisch hat es Yaichi, da er den Eindruck hat, Mike wäre ständig auf Männer scharf. Er fühlt sich zunächst unwohl.

Diese Gefühle sind verbreitet, aber letztendlich völliger Quatsch, wie dann auch im weiteren Verlauf der Geschichte immer wieder von Tagame ins rechte Licht gerückt wird. Mike beweist Yaichi, dass er seinen Bruder geliebt hat, aber dass er durchaus ein völlig normaler Mensch ist. Dieses Bewusstsein durchdringt Yaichi mehr und mehr, so auch den Leser.

Toll sind die kleinen Informationsseiten zwischen einzelnen Kapiteln. Hier erfährt der Leser sehr viel über die Gay Rights Bewegung und wie es dazu kommt, dass Mike auf dem Cover ein T-Shirt trägt, auf dem ein rosafarbenes Dreieck aufgedruckt ist. Dies war zunächst im Nationalsozialismus ein Schandmal für homosexuelle Menschen. Auch danach wurde es in negativer Bedeutung benutzt. In den 70er Jahren hat die Gay Rights-Bewegung dies aber umgekehrt und seitdem steht dieses Symbol für den Stolz, den die Träger damit verbinden.

Die Unbefangenheit der kleinen Kana soll sowohl Yaichi, als auch den Leser ein Vorbild sein. Sie mag Mike einfach nur weil er nett ist. Das sollte für uns alle das entscheidende Kriterium sein. Sie beweist ihrem Vater stets, was Offenheit bedeutet und interessiert sich offenbar für die Regelungen der anderen Länder, die das Thema freizügiger behandeln als Japan dies tut.

Fazit:

Wer Lust hat, sich mit dieser Thematik ein bisschen näher zu beschäftigen, kann in die Welt von Der Mann meines Bruders eintauchen. Die Geschichte wird sensibel und ruhig erzählt. Sexuelle Andeutungen sind vorhanden, bleiben aber bisher dezent im Hintergrund.

Ich kann den Manga empfehlen und vergebe an die intelligente Geschichte 4/5 Punkten. Das große Format gefällt mir sehr gut, die Geschichte wird fließend erzählt. Den Zeichenstil finde ich nicht überragend, aber wer bin ich schon, um dies zu beurteilen?

Tagame, Gengoroh: Der Mann meines Bruders 1. Carlsen Manga 2019. Ab 15 Jahren. 180 Seiten. 10,00 €.