Shooting Ramirez – Zwischen Staubsaugern und der Drogenmafia

Der Titel suggeriert doch so einiges. Shooting Ramirez bezieht sich auf Schusswaffen und mit dem Nachnamen Ramirez kann zumindest schnell eine Verbindung nach Lateinamerika hergestellt werden. Da der Name Ramirez sehr häufig in Mexiko vorkommt, ist auch eine Korelation zu mexikanischen Drogenkartellen sehr schnell hergestellt. Aber was zum Teufel haben Staubsauger mit der Sache zu tun?

Jack Ramirez ist ein Sympathieträger in der Geschichte. Er arbeitet bei Robotop, einem Unternehmen für Haushaltsgeräte, welches seine neuen Produkte ankündigt wie ein neues iPhone. In diesem Punkt sind die Anspielungen auf Apple mehr als deutlich. Ramirez kann nicht sprechen, aber dafür repariert er Staubsauger und Technik ganz allgemein, wie es kein Zweiter auf der Erde jemals getan hätte. Er ist ein wahrer Künstler.

Auch bei den Damen kann Jack mit seiner subtilen Art punkten…

© Verlag Schreiber & Leser (Cover und Abbildungen)

Inhalt:

Ramirez arbeitet in einem Unternehmen für Haushaltsgeräte und ist mit der Arbeit zufrieden, auch wenn er kein einfaches Verhältnis zu seinem Vorgesetzten hat. Gleichzeitig tauchen plötzlich zwei Killer der mexikanischen Drogenmafia auf, die tatsächlich eigentlich nur eine Reklamation haben. Sie meinen in Ramirez einen berüchtigten anderen Killer zu erkennen und nun wird eine Lawine in Gang getreten, die Ausmaße eines gelungenen Quentin Tarantino-Films annimmt.

Rezension:

Verwechslungskomödien sind immer unterhaltsam und begeistern Zuschauer schon seit Generationen. Man kann einfach jede Menge Slapstick aus den sich ergebenden Sitautionen gewinnen. Das gelingt auch Shooting Ramirez, auch wenn es nicht der stärkste ASpekt der Geschichte ist.

Nicolas Petrimaux zeichnet faszinierende Bilder, die die Gangsterfilme der 70er Jahre aus den USA wieder auferstehen lassen. Es gibt nur wenige Werke, die diese Zeitperiode thematisieren und Petrimaux gelingt dies vorzüglich.

Die Geschichte hat gleich mehrere Anknüpfungspunkte mit dem Klassiker Pulp Fiction, in dem ebenfalls ein legendäres Killer-Duo umgeht. Petrimaux schafft es eine Dichte zum Film herzustellen, ohne dabei einfach zu kopieren. Seine KIller haben ein Eigenleben.

Natürlich wird die Handlung immer verwirrender, denn der Leser soll nicht alle Gegebenheiten sofort erfahren. Ist Ramirez denn nun wirklich ein unfassbar brutaler und kaltblütiger Killer oder handelt es sich etwa um einen Doppelgänger? Petrimaux lässt seine Leser miträtseln.

Wirkung:

Die Geschichte übt ab der ersten Seite eine tatsächliche Faszination aus. Allein schon die detailgetreue Nachbildung der 70er Jahre lässt mich in Erinnerungen schwelgen. Ja, so war es damals. Zumindest insofern ich mich noch erinnern kann (Jahrgang 1969). Ich möchte gern mehr von Ramirez lesen, das ist schon nach wenigen Seitenklar.

Fazit:

Eine klare Kaufempfehlung. Der Schreiber & Leser-Verlag ist ja bekannt für tolle Graphic Novels, aber mit Shooting Ramirez hat der Verlag wieder eine echte Perle im Sortiment. Menschen, die nach wie vor davon überzeugt sind, Comics seien nur für Kinder, können sich gleich durch dieses Werk eines besseren belehren lassen.

Shooting Ramirez – 1. Akt

Nicolas Petrimaux

144 Seiten

Hardcover

24,80 €

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Texas Jack vs. Gunsmoke – Duell in Wyoming

Die Legende von Texas Jack wurde vom Splitter-Verlag im vergangenen Monat aufgegriffen, um eine Graphic Novel zu veröffentlichen, die den Wilden Westen genau so präsentiert, wie wir ihn aus allen gängigen Genreklassikern kennen. Es gibt das Gute und das Böse. Beide geraten in einen Kampf miteinander und am Ende siegt das Gute, zumindest irgendwie.

Dimitri Armand ist der verantwortliche Zeichner. Er taucht die Geschichte in klassische, realistische Zeichnungen, die von vielen matten Farbtönen ümgeben defintiv eine Pionieratmosphäre erschaffen. Wundervolle Landschaftsbilder sind daher in großer Anzahl zu finden. Pierre Dubois verleiht der Geschichte als Szenarist ihre Tiefe.

Inhalt

Der Wilde Westen wird langsam erschlossen und die Zivilisation kehrt ein. Dabei kommt es natürlich auch zu finanziellen Interessen verschiedener Parteien. Der Outlaw Gunsmoke ist ruchlos und schreckt für ein paar Dollar vor nichts zurück. Der in einer Zirkusshow mit seinen Freunden agierende Texas-Jack ist ein Held, der keine Heldentaten mehr vollbringt. Dennoch wird die Schauspiel-Truppe zu Hilfe gerufen gegen den berüchtigten Gunsmoke. Eine wahre Odyssee durch den Westen beginnt mit schmerzhaften Erlebnissen für beinahe alle Beteiligten.

Rezension

Das Buch erinnert mich an unzählige Western-Filme, die ich als Kind gesehen habe. Es ist der immer anhaltende Kampf zwischen Gut und Böse, der schon Generationen vor dem Fernsehschirm gefesselt hat. Texas Jack ist daher auch nicht mehr als ein Western, der eine solide Machart verfolgt und wenig Spektakuläres bietet.

Es ist die Geschichte von Helden, die keine Helden sind, in den entscheidenden Momenten aber heldenhaftes tun. Texas Jack ist Geschäftsmann, er betreut seine Geschäftsidee und, obwohl er schnell mit dem Colt umgehen kann, ist weit davon entfernt ein echter Revolverheld zu sein. Trotzdem lastet die Bürde des Helden auf ihm. Er trägt sehr schwer daran, ist aber die Figur der Geschichte, die die größte Entwicklung durchmacht. Am Ende überrascht er alle.

Die Geschichte hat streckenweise ihre Längen. Besonders lange wartet der Leser auf die Konfrontation mit Gunsmoke, der am Anfang als Bösewicht aufgebaut wird, dann aber lange aus der Geschichte verschwindet. Er war fast so lange weg, dass ich schon befürchtete er sei nun auch im MCU gelandet.

Am Ende kommt es dann aber doch zum großen Showdown, der sich extrem spannend las und mit echten Überraschungen aufwartete. Von diesen Szenen hätten es für meinen Geschmack gerne ein paar mehr sein dürfen.

Gelungen war die Integration von Marshall Sykes in die Geschichte. Es handelt sich hierbei um die Hauptfigur aus einer vorherigen Kooperation der beiden Autoren. Sykes ist cool und abgewichst. Er weiß, wie der Hase läuft und hat seine Auftritte immer dann, wenn er gebraucht wird.

Wirkung

Ich hatte etwas völlig anderes erwartet. Inhaltlich hatte ich mich eingestellt auf eine Geschichte über Texas Jack Vermillion, einen Revolverhelden, der in den Dunstkreis der Legenden um Wyatt Earp gehört. Nichts von dem traf zu, was mich ein wenig enttäuschte.

Die Geschichte ist dennoch packend in der Schlussphase, wenn ich sie auch nicht so durchgängig weglesen konnte. Einige Passagen schienen mir etwas langatmig.

Fazit

Ich kann dieses Werk nur bedingt empfehlen. Die echten Western-Fans werden sich mit diesem Buch sehr gut anfreunden können und an der Auseinandersetzung mit Gunsmoke durchaus Gefallen finden. Es sind ja auch alle klassischen Elemente vorhanden. Wer sich aber nicht so sehr für Western interessiert, wird hier nur holprig einen Einstieg haben.

Das Buch erhält von mir 3 / 5 Punkten und ich finde es persönlich gut, dass die Geschichte abgeschlossen erzählt wird. Dennoch muss man am besten in Etappen lesen. Marshall Sykes darf allerdings sehr gerne wieder zurückkommen. Ihn werde ich vermissen.

Texas Jack. Dimitri Armand, Pierre Dubois: Splitter-Verlag 2019. Hardcover, 128 Seiten, 24 €

Leser-Mehrwert:

Falls ihr mal keine Lust habt, eine Graphic Novel oder einen Manga zu lesen (aber wann kommt das schon einmal vor, richtig?), könnte es auch mit den Hörprogrammen meines Partners versuchen. Vielleicht findet ihr da das richtige Produkt, um entspannen zu können. Folgt einfach dem Link und schaut euch alles in Ruhe an!

The Fall – Endzeit in der Schweiz

Ein Beitrag von Maren Dickmann

Der Künstler hinter dem Werk, The Fall, ist Jared Muralt. Er ist 1982 in Bern (Schweiz) geboren und arbeitet seit 2006 als freischaffender Illustrator und Comiczeichner in Bern. An der Comic-Serie arbeitet er seit 2016. 2009 gründete er mit Freunden die BlackYard Studios, aus dem einige Zeit später der Tintenkilby Verlag hervorging.

Die Ausgangslage für Jared Muralts Erzählung bilden eine Weltwirtschaftskrise und globale Konflikte. Chaos, Krankheit, Armut und Elend greifen auf die Industriestaaten über und bilden den perfekten Nährboden für eine Grippe pandemischen Ausmaßes.

Die Hauptfiguren in dieser Graphic Novel sind Liam mit seiner Frau Maria und den Kindern Sophia und Max. Maria, die im örtlichen Krankenhaus arbeitet, war das einzige Mitglied der Familie, das sich nicht angesteckt hatte. Maria kommt von ihrer Schicht im Krankenhaus nicht nach Hause.

Dabei schien die Sommergrippe, die nahezu jeden gepackt hatte, endlich vorüber zu sein. Doch die Freude darüber, die Grippewelle endlich überstanden zu haben, schlägt schnell ins Gegenteil über: Ein hartnäckiger, offensichtlich resistenter Virenstamm setzt sich durch und breitet sich seuchenartig aus.

Innerhalb kürzester Zeit eskaliert die Situation. Menschen sterben. Der Tod ist das prägende Stadtbild.

Was folgt sind Anarchie und Chaos. Gebiete werden unter Quarantäne gestellt – Die Ehefrau bleibt unerreichbar, Erklärungen bleiben aus. Lebensmittel verknappen, Zonen werden nicht mehr versorgt, und der Egoismus der Menschen entfesselt sich als instinktiver Überlebenswille. Das Militär dominiert das Stadtbild, es entstehen Sadismus und unberechenbare Allianzen. Kapitel 3 endet mit dem Aufbruch der Familie und ihrem Versuch, die Quarantänezone zu verlassen, um bei den Großeltern in den Bergen Schutz zu finden.

Die Atmosphäre ist bedrückend, der Himmel oft bedeckt, verschleiert und rauchbenetzt. Wir begleiten die Charaktere durch die Jahreszeit Sommer und hinein in den Herbst. Die Farben sind eine Mischung aus gedämpften Rosa- und Blautönen. Die Zeichnungen sind realistisch und detailorientiert – Es gibt viel in den Bildern zu entdecken/ zu lesen.

The Fall präsentiert ein ausgewogenes Verhältnis von Sprache und Bild. Schauplätze findet man mit deutscher Sprache aber einer klaren Orientierung hin zum englischen Sprachraum und einer Tendenz zum amerikanisierten Stil. Ob „Death to Kapitalism“ oder „Beggars breed and rich men feed the black sheep“, Sozialkritik begegnet man häufig; sie findet sich im öffentlichen Raum im Kontext von Beschilderungen und zahlreichen Graffitis.

The Fall ist, soweit man es Bd. 1 entnehmen kann, eigentlich eine klassische Filmgeschichte, wie ich sie schon zu Haufe von amerikanischen Produktionen kenne. Und doch oder auch vielleicht deshalb hat sie mich gepackt. Denn sie ist grandios gezeichnet und beschreibt ein Szenario, welches mich schon immer zum Nachdenken angeregt hat: Was würde passieren, wenn die Ordnung, so wie ich sie kenne, plötzlichen ins Chaos verkehrt würde? Ich möchte wissen, wie es weitergeht und freue mich bereits auf den 2. Band…

Kapitel 1 – 3 sind seit Juli auch als Einzelausgaben für 6,50 EUR erhältlich. Dies wäre mir aber zu wenig Lesestoff gewesen. Deshalb empfehle ich Bd.1. im Softcover für 15,80 EUR mit 64 farbigen Seiten. Eine Leseprobe gibt es u.a. beim Peter Poluda Medienvertrieb (PPM).

Jared Muralt: The Fall 1. Tintenkilby Verlag. 64 Seiten. Softcover

Vampire und Liebe – Devils Line 1 bringt Twilight in Manga-Form

Mit Devils Line 1 hat Kazé eine neue Serie installiert, die sich gleich in zwei Genres behaupten will. Durch die Vampir-Thematik spielt der Manga mit dem Horror-Bereich, während es sich eigentlich um eine Liebesgeschichte handelt. Der Vampir, der sich zurückhält, weil er einen Menschen liebt, gleichzeitig aber Vampire jagt, die ihrerseits deutlich skrupelloser ans Werk gehen. Das kommt mir alles sehr bekannt vor. Twilight – Biss zum Morgengrauen lässt grüßen.

Die Story ist also schon einmal wenig originell, aber wird durch die wundervollen Zeichnungen von Ryo Hanada durchaus noch einmal aufgewertet. Ich mag den weichen Stil der Autorin sehr, der die Figuren erwachsener wirken lässt. Das hat für mich den Manga ein wenig am Leben gehalten.

Inhalt

Yuki Anzai ist Mitglied der Polizei und gleichzeitig ein Vampir. Er ist darauf spezialisiert seine Artgenossen zu jagen, die immer wieder einmal ein abscheuliches Blutbad anrichten. Als er auf die Studentin Tsukasa trifft verändert sich für ihn die Welt, denn er empfindet schnell Zuneigung zu der jungen Dame, die ihrerseits sich irgendwie zu dem bedrohlichen Wesen hingezogen fühlt.

Yuki kann sich gerade noch beherrschen und fällt nicht über Tsukasa her. Fortan beobachtet er sie und sitzt gelegentlich auf ihrem Balkon. Und auch Tsukasa gewöhnt sich an den Vampir zunehmend.

Rezension

Es handelt sich mit dem Vampirgenre um einen Teilaspekt der Horrorliteratur, die durchaus schon ausgiebig beackert wurde. Es ist also nicht einfach eine neue originelle Story zu erfinden, die den Leser gleich packt. Ryo Hanada hat es nicht geschafft. Ich hatte mir erhofft, dass es wirklich spannend zugehen würde und das fand ich überhaupt nicht. Erst am Ende nahm die Geschichte etwas Fahrt auf.

Die Liebesgeschichte war standardisiert und hatte eben doch viel von Twilight. Auch das hat mich nicht umgehauen und führt wohl schließlich dazu, dass ich diesen Manga nicht weiterlesen werde. Die Geschichte ist eher etwas für Leser, die heiße Vampire und ihnen verfallende junge Mädchen gern haben. Dann kann man sicherlich mit dem Manga leben. Ryo Hanada schreibt als junge Frau für noch jüngere Frauen. Das erklärt, warum es mir nicht gefallen hat.

Die Zeichnungen von Hanada dagegen sind wunderschön und Manga in reinster Form. Immer wieder wechseln sich weiche Zeichnungen von Figuren mit absoluten Horrorbildern ab und man erstarrt doch beim Anblick der schönen, aber auch der schrecklichen, Bilder.

Ryo Hanada (rechts) ist auch bei Twitter. Folgt ihr doch @owsshanada

Wirkung

Ich musste feststellen, dass der Manga nicht für mich geschrieben ist und das ist auch ok so. Ich werde die Serie abbrechen, da mich die Geschichte nicht gepackt hat. Ich stelle dabei eben immer wieder fest, dass ich nicht vorbehaltlos alle Kategorien lesen kann.

Fazit

Wer Twilight mochte, wird mit Devils Line sehr gut klarkommen. Sicherlich wird eine Zielgruppe Mädchen zwischen 15 und 25 hier voll abgeholt. Und genau für diese Zielgruppe kann ich den Manga empfehlen.

Die anderen Leser sollten sich eher anderen Dingen zuwenden. Ich vergebe 2,5 von 5 Sternen, wegen der sehr schönen Zeichnungen, deren Bewunderung hier nicht unter den Tisch fallen soll. Es handelte sich mit Sicherheit um keinen Fehlkauf, denn ich habe den Manga ja schließlich bis zum Ende gelesen, aber packen konnte mich die Geschichte nicht so richtig.

Zu einer Leseprobe geht es hier!

Insgesamt wird es 13 Bände geben, dann ist die Reihe abgeschlossen.

© Kazé Deutschland (Cover)

Devils Line 1

Ryo Hanada

232 Seiten

Softcover

Fantasy, Mystery, Romance

14-17 Jahre (Altersempfehlung vom Hersteller)

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Über den Wolken – Islands große Freiheit

Ich habe selten einen so guten und spannenden Manga gelesen. Und dabei wusste ich nicht, was mich erwarten wird. Es ist schließlich nicht als gewöhnlich einzustufen, wenn ein Manga seinen Haupthandlungsort nach Island verlegt.
 
Ich war also begeistert von Folge den Wolken nach Nord-Nordwest 01, denn die Geschichte ist fesselnd und die Story entwickelt sich nicht nur logisch, sondern auch glaubwürdig dazu.
 
Inhalt
 
Kei ist eigentlich Japaner, aber die Wirrungen des Lebens haben ihn zu seinem Großvater nach Island verschlagen. Dort hält er sich einigermaßen mit Detektivarbeit über Wasser. Als ihn die Nachricht erreicht, dass seine noch lebenden Verwandten und sein Bruder verschwunden sind, bricht er in Panik aus und macht sich auf die Suche. Er findet seinen Bruder schließlich, aber mit ihm auch eine Menge Probleme und Geheimnisse.
 
Rezension
 
Der Blick auf diesen Manga beginnt für mich mit einem Blick auf das Cover, das ich außerordentlich gelungen fand. Ich wollte das Buch unbedingt kaufen, denn ich war überwältigt davon, dass sich Aki Irie dazu entschieden hat nicht nur isländische Wörter und Sätze darzustellen, sondern auf der Rückseite auch noch Vokabeltraining anbietet. Klasse! Genau das Richtige für mich.
 
 
Auch am Gratis-Comic-Tag war Folge den Wolken nach Nord-Nordwest mit dabei!
 
Die Zeichnungen sind für mich ideal. Ich mag den Zeichenstil sehr. Es sind klare Zeichnungen. Sie wirken sehr erwachsen und lassen Kei sehr vernünftig und zielgerichtet aussehen. Der Manga kommt mit sehr wenig Fan-Service aus, was ich sehr angenehm empfand. Die Nacktszenen waren mit der Story verwoben, was ebenfalls vorteilhaft wirkte.
 
Der Aufbau der Story war absolut stark. Ich wurde ganz langsam, typisch skandinavisch, in diese Geschichte mit hineingezogen. Dann nimmt die Turbulenz zu und am Ende sind doch ein paar spannende Wendungen und Überraschungen verpackt, die eigentlich das Gefühl bewirken, gleich weiterlesen zu wollen.
 
Die Mischung aus Island, Japan und französischem Charme war für mich gut gewählt, denn das lockerte das japanlastige Inhaltsgewölbe doch bedeutend auf. Kei hatte offenbar schon in der frühen Kindheit eine problematische Beziehung zu seinem Bruder. Diese psychologische Variante wird klar als Pfeiler für die weitere Handlung gesetzt und wir dürfen uns auf einen Bruder-Konflikt freuen, der es in sich haben könnte.
 
Einziges störendes Element: Kei kann mit Autos und mit-was-weiß-ich-noch reden! Das hätte sich der Autor sparen können, es fügt der Geschichte nichts wirklich Wichtiges hinzu.
 
Wirkung
 
Der besondere Zauber des Buches ging nicht von der Spannung aus, sondern von dem extrem entspannten Beginn. Obwohl Kei sein Auto in den Graben fährt, lässt ihn das weitgehend kalt. Im Gegenteil er bewundert die spektakuläre Landschaft und fühlt sich mit dieser Zwangspause, die ihn sogar eine Nacht im Auto schlafen lässt, eigentlich ganz wohl. Eine ganz eigenartige, aber sehr angenehme Faszination macht sich beim Lesen breit.
 
Fazit
 
Der Manga erhält von mir eine eindeutige Kaufempfehlung. Ich hatte so viel Spaß beim Lesen, dass ich gar nicht anders kann, als dies so auszusprechen. Es kann keine nachhaltigen Abzüge geben, daher gebe ich 4,5 von 5 Punkten. Wer es nicht glaubt, kann sich hier die Leseprobe anschauen.
 
Ich freue mich sehr auf den zweiten Band und würde mir wünschen, dass dieser Mangastil sich öfter auf dem europäischen Markt zeigen würde. Ein Manga, der in Deutschland spielt, wäre doch auch einmal etwas völlig Neues. Ich warte.
 
Aki Irie
Carlsen Manga
248 Seiten
12 Euro
Softcover
ab 14 Jahren
 
*Diese Rezension enthält Werbung. Die Werbelinks führen zu Amazon. Ich nehme am Partnerprogramm teil und erhalte eine kleine Provision für einen Kauf, ohne dass euch Nachteile dadurch entstehen. Ihr unterstützt so diesen Blog und die damit auftretenden Kosten. Vielen Dank!
 
© Carlsen Manga (Coverabbildung)

Comanga Live Rezension – #1 / Rendsburg Stadtbücherei

Es war angekündigt und nun machen wir es wahr. In Kooperation mit der Stadtbücherei in Rendsburg werden wir, Maren und Andreas von Comanga, die erste Live-Rezensionsshow mit Lesetipps veranstalten.

 

Wir freuen uns darauf und verspüren schon den Nervenkitzel, den eine solche Premiere natürlich immer mit sich bringt. Ich werde euch auf den folgenden Seiten einmal beschreiben, was euch da so erwarten wird.

Wir sind mit PowerPoint ausgerüstet und werden euch etwa 90 Minuten lang die Graphic Novel-Lesetipps aus dem Monat Juli vorstellen. Was ist neu erschienen und was halten wir für wirklich lesenswert? Das könnt ihr am 26.07.2019 in der Stadtbücherei Rendsburg um 19:00 Uhr erfahren.

Ich beschäftige mich ja gern mit den Genres Fantasy, Science-Fiction, Abenteuer und Historie. Deshalb gibt es von mir Tipps aus diesen Kategorien. Maren dagegen hat es mit weiblichen Hauptfiguren und Frauenthemen. Sie hat einen ganz anderen Blickwinkel auf die Graphic Novels, was durchaus sehr spannend werden kann.

Am Ende der Veranstaltung gibt es noch eine kleine Diskussion, die noch weitergehende Detailfragen klären kann. Wir richten uns mit diesem Angebot übrigens an Menschen, die Graphic Novels lieben UND Menschen, die sich mit diesem literarischen Medium noch gar nicht richtig beschäftigt haben.

Ich hoffe, dass alle zahlreich kommen und einen geselligen Abend daraus machen werden. Die Premiereveranstaltung ist übrigens kostenfrei. Wir freuen uns aber über Spenden, die unsere Arbeit honorieren.

Weiterlesen „Comanga Live Rezension – #1 / Rendsburg Stadtbücherei“

Der Gang durch die Hölle – Cross Cult macht’s möglich

Mit dem ersten Band der Serie A Walk Through Hell bringt der Cross Cult-Verlag uns sehr düstere Thrilleraction in bester amerikanischer Kinomanier. Die beiden FBI-Agenten Shaw und McGregor haben es nicht leicht, denn nach einem enorm schweren Pädophilie-Fall sind beide angeschlagen. Aber die Vergangenheit, die sie endlich hinter sich gelassen glaubten, holt sie nun doch wieder ein.

In bester Fernseh- und Kinomache führt uns die Handlung mit Zeitsprüngen an verschiedene Orte und langsam bekommt der Leser das Gesamtbild vor sich ausgebreitet. Garth Ennis versteht es meisterhaft die Fäden der Geschichte zu spinnen und die Zeichnungen von Goran Sudzuka kennen wir schon aus vielen anderen Comicserien. Paradoxerweise lässt durch den gebürtigen Kroaten die nordamerikanische Zeichenschule grüßen.

Das kleine Format mag ich nicht so besonders. Ich finde es bequemer ein großes Format in der Hand zu halten. Macht mir beim Lesen mehr Spaß, da ich die Details der Zeichnungen besser beachten kann.

Inhalt

Shaw und McGregor werden zu einem verlassenen Lagerhaus gerufen, in dem sich offenbar schreckliche Dinge abspielen. Es ist zum Zeitpunkt der Ankunft der beiden Agenten schon klar, dass zwei Kollegen nicht mehr zurückgekommen sind, nachdem sie hineingegangen waren. Auch das Sondereinsatzkommando ist mit großem Horror und angsterfüllt aus dem Lagerhaus herausgekommen, obwohl kaum ein Schritt hineingesetzt wurde. Was hat es mit dem Lagerhaus also auf sich?

Der Gang hinein hat folgen. Shaw und McGregor werden ohnmächtig und erwachen wieder ohne spürbaren Puls. Schon bald spielen sich schreckliche Szenen im Lagerhaus ab, sodass die Frage erlaubt sein muss, wo man sich eigentlich befindet. Die Hölle scheint eine echte Option zu sein…

Rezension

Es gibt keine Sekunde Langeweile, so viel vorweg. Die Geschichte beginnt abrupt und der Leser muss sich auf den ersten Seiten erst einmal zurechtfinden. Langsam taucht er in die Geschichte ein, obwohl schon schnell klar ist, dass Shaw und McGregor ein Duo sind, die im Laufe der Geschichte noch große Schwierigkeiten bekommen werden.

Die Geschichte spielt sich auf zwei Ebenen ab. Einerseits erfahren wir fortlaufend wie es mit dem Lagerhaus weitergeht, andererseits erhalten wir in der Rückblende immer wieder Einblicke in einen vergangenen Fall, indem es um eine besonders abscheuliche Pädophilie-Straftat in Kombination mit Kindermorden handelte. Der Hauptbeschuldigte, Paul Carnahan, konnte von Shaw und McGregor nicht dingfest gemacht werden.

Durch das Hin und Her der Handlungsstränge entfaltet sich die Handlung für den Leser nur schleppend. Es müssen immer wieder neue Puzzlesteine beachtet werden. Ennis versucht seine Leser an der Nase herumzuführen, um dann mit Überraschungsmomenten urplötzlich um die Ecke zu kommen.

Der Name Carnahan gibt Rätsel auf. Einerseits steckt in carn- das lateinische Wort Fleisch drin, was durchaus in Bezug zur Handlung gesetzt werden kann. Andererseits erinnert Carnahan an das jüdische Wort Kanaan, welches in der Bibel als das gelobte Land dargestellt wird.

Es sind also himmlische oder teuflische Kräfte am Werk. Ist es das gelobte Land oder vielleicht doch das Gegenteil? Höllisch sind die Verhältnisse in der Lagerhalle unbedingt. Aber viele Fragen bleiben in diesem Eröffnungsband ungeklärt.

Wirkung

Garth Ennis gelingt es eine sehr dichte Atmosphäre zu erzeugen, die unheimlich von der Spannung lebt. Die Handlung ist so unüberschaubar wie das Lagerhaus für die beiden FBI-Agenten. Ich habe die Graphic Novel komplett durchgelesen und konnte es nicht zur Seite legen. Ich habe mich auch ein bisschen geärgert, nun auf den zweiten Band warten zu müssen.

Mir gefiel ebenfalls sehr, dass immer wieder Themen aus dem gesellschaftlichen Alltag angesprochen wurden. Besonders im Verhältnis der Agenten untereinander, aber auch im Austausch mit den Arbeitskollegen.

Fazit

Ein Horrorthriller mit hohem Spannungsfaktor in der Realwelt angesiedelt und daher umso beklemmender. Für Genre-Fans ein Must-have. Leser, die gerne etwas Neues ausprobieren wollen, müssen schon ein bisschen hartgesotten sein.

Ich mag halt das kleine Format nicht so. Deshalb gebe ich 4/5 Sterne und empfehle diesen Juli-Hit allen Thriller- und Horror-Fans ohne Einschränkungen.