Rashomon – Literatur im Regen

Der dritte Band der Reihe „After the Rain“ überzeugt mich bisher voll und ganz. Ich halte ihn für den besten Band der ganzen Reihe bisher. Das kommt vordergründig dadurch, dass ich zum ersten Mal auch über die Lektüre hinaus stimuliert wurde. Der Band hat inhaltlich viel zu bieten und brachte mich dazu auch weiter zu recherchieren im Feld der japanischen Literatur. Das ist großartig und gelingt kaum einmal einem Werk.

Inhalt:

Akiras Gefühle für ihren Chef werden stärker. Das weckt bei Kondo Emotionen, die er eigentlich schon vergessen hatte. Doch die Verliebtheit der 17-jährigen Akira hat gerade erst richtig begonnen …

Inhalt & Cover © Altraverse

Rezension:

Ja, mit der Liebe geht es drunter und drüber im dritten Band. Akira scheint weiterhin wild entschlossen zu sein Herrn Kondo mit ihren Gefühlen zu überwältigen. Sie hat sich nun zunächst entschlossen ihn näher kennen zu lernen. Dieses „näher kennen lernen“ zieht sich wie ein roter Faden durch den dritten Serienteil.

Herr Kondo scheint immer noch unsicher zu sein, wie er mit der Lage umgehen soll. Er hatte nach dem zweiten Band schon damit gerechnet, dass sich die Sache wohl erledigt hatte, aber das erweist sich nun als Trugschluss.

Aber wir erfahren viel mehr aus Akiras Vergangenheit und werden wieder, ähnlich wie Akira, schmerzhaft daran erinnert, dass die schwere Sportverletzung Akiras Leben radikal veränderte.

Nachdem sich Akira schlecht fühlt und über die Sportverletzung noch nicht hinweg ist, muss fast die Überlegung angestellt werden, ob es wohl ihrem Selbstwertgefühl geschadet hat, dass sie diesen Sport nicht mehr erfolgreich ausüben kann. Dies könnte auch eine plausible Ursache dafür sein, dass sie sich zu dem Lebensverlierer Kondo hingezogen fühlt. Ist es etwa doch lediglich eine jugendliche Schwärmerei? Oder steckt mehr hinter den Liebeserklärungen Akiras?

Rashomon – Die Ehre des Samurai

Im Buch gibt es ein auffälliges Zitat. „Rashomon“ ist ein Film von Akira Kurosawa aus dem Jahr 1950. Im Film geht es um eine Gerichtsverhandlung, in der auch eine Vergewaltigung eine Rolle spielt. Ist das bereits eine düstere Anspielung auf das, was uns in dieser Mangareihe noch bevorsteht? Erstaunlich obendrein, dass der berühmte Regisseur den gleichen Vornamen trägt wie unsere Hauptdarstellerin…

Im Buch selbst wird „Rashomon“ zitiert aus der gleichnamigen Kurzgeschichte von Ryunosuke Akutagawa, einem Dichter und Schriftsteller, der dafür bekannt war, den japanischen und europäischen Stil miteinander zu verknüpfen. Die 1915 erschienene Geschichte war die Vorlage für den Kinofilm Kurosawas.

Rashomon

Akira entscheidet sich in der Bibliotheksszene für ein Werk von Soseki Natsume. Hierbei handelt es sich gar um einen der berühmtesten japanischen Schriftsteller überhaupt. „Der Tor aus Tokio“ erschien erstmals 1906 und ist der Band, der ihm u. a. zum Durchbruch als Schriftsteller verhalf.

Der Tor aus Tokio Soseki Natsume

Fazit:

In diesem Band 3 „After The Rain“ gab es richtig etwas zu lernen. Japan rückt ein bisschen näher, wenn plötzlich Dinge wie Rashomon klar werden. Die Literatur hat die einmalige Gabe, eine kleine Flamme weiter zu entfachen und den unbändigen Willen durchzusetzen, Dinge näher kennen lernen zu wollen. Auch das schließt wieder den Kreis in diesem Manga.

Und dann noch dieser kolossale Cliffhanger!

Ich kann die Lektüre inzwischen uneingeschränkt empfehlen. „After The Rain“ ist ein grandioser Manga, mit nun auch interessanten Querverweisen, die das eigene Leben und die Denkweise bereichern. Absolute Leseempfehlung, aber bitte mit Band 1 beginnen!

Jun Mayuzuki. After the Rain 3. Altraverse 2019. 164 Seiten. Romance (Altersempfehlung 16+). 10€

 

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After The Rain 2 – Liebe bringt Schwierigkeiten

Das durchaus in europäischen Gefilden brenzlige Thema einer Liebesbeziehung zwischen einem Mitte Vierziger und einer Schülerin ist in Mangakreisen durchaus ein wiederkehrendes Genrebild. After the Rain widmet sich dieser Beziehung in leisen und einfühlsamen Tönen und bleibt damit realistischer als so mancher Dokureport.

Inhalt:

Akira ist inzwischen voll verknallt in den immer noch bemitleidenswürdigen Herrn Kondo. Sie probiert nach dem Cliffhanger im ersten Band, als sie ihm ihre Liebe gestand, nun ein erstes Date mit ihm einzugehen. Er willigt ein, was für eine Menge mehr Aufsehen sorgt. Akira ist nervös und gleichzeitig kommt ein neuer Protagonist auf die Bühne, der ebenfalls frech um ihre Zuneigung buhlt. Da er eher in Akiras Alter ist, muss er als eine ernsthafte Bedrohung angesehen werden, auch wenn Akira zunächst gar nicht auf ihn abfährt. Die Beziehungen werden komplizierter und komplexer.

Rezension: 

Akira bleibt auch im zweiten Band zauberhaft und man wünscht dem Mädchen nur das Beste. Zunehmends sieht es aber so aus, als ob sie sich in die Idee der Liebe zu Herrn Kondo verrennt. Sie lässt keine anderen Gedanken zu, was ihre Mitmenschen auch in den Wahnsinn treiben kann.

Herr Kondo rückt mehr ins Rampenlicht, als er dies im ersten Band tat. Er hat große innere Konflikte und hat Angst nur an der Nase herumgeführt zu werden. Wir erfahren mehr über sein zerrüttetes Leben, seine Ex-Frau und seine Familienverhältnisse. Da kommt die Frage auf, ob Akira sich das wirklich zumuten will. Oder kann sich etwa gar nicht so weit schauen, um erkennen zu können, auf was sie sich da genau einlässt?

Schließlich lebt sie in der Welt einer Siebzehnjährigen und die harte Welt von Herrn Kondo könnte schnell unromantisch werden. Hier wird der Manga auch erstmals ein echter Seinen, denn auch die etwas älteren Herren, ich eingeschlossen, werden sich nun Fragen, wie man wohl reagieren würde, wenn man sich plötzlich in einer solchen Situation befinden würde. Ganz ehrlich, wahrscheinlich ebenso unsicher und verstört, wie es bei Herrn Kondo hier passiert. Andere Rezensenten wie The Lost Dungeon lassen dieses Genre hier aus, ich aber finde, dass das Werk in erster Linie ein Seinen ist, auch wenn Akira mit ihrer Geschichte im Vordergrund steht.

Kase wird neuer Arbeitskollege von Akira und bringt viel Konfliktstoff mit sich. Offenbar hat er sich schnell in Akira verguckt und wird so zum natürlichen Gegenspieler seines eigenen Chefs. Das kann nicht lange gutgehen. Im aktuellen Band aber wird noch keine Entwicklung diesbezüglich aufgezeigt. Akira springt von Date zu Date, mal gewollt, mal ungewollt. Sie hat es nicht leicht.

Der Band liest sich etwas schwerer als der erste Band und kommt nicht so lockerleicht daher. Die Geschichte wird etwas dichter und es gibt nicht mehr viele Handlungssprünge. Kase ist noch unentschlossen, wie er mit dem Wissen um Akiras Liebe zu Herrn Kondo umgehen soll. Akira versucht Kase bei Laune zu halten und ihre Liebe zu Herrn Kondo weiter auszubauen. Herr Kondo hat Angst.

In diesem Video wird noch einmal sehr gut erklärt, warum After The Rain nichts Anrüchiges an sich hat!

Die Thematik der Liebe einer Minderjährigen zu einem Mann ist noch nicht vollständig aufgebaut worden, wird aber immer mehr in den Fokus rücken, je ernster die Geschichte wird. Es bleibt abzuwarten, wie Jun Mayuzuki damit umgehen wird. An dieser Stelle wäre zu erwähnen, dass ich den existierenden Anime nicht schaue, um die Überraschung und die Wendungen des Manga nicht vorwegzunehmen.

Fazit:

Die Liebe von Akira und Herrn Kondo ist noch weit entfernt von zweisamer Glückseligkeit. Im Gegenteil, es wird komplizierter und etwas holpriger. Das gilt auch für die Qualität der Geschichte. Da empfand ich beim Lesen genau so. Trotzdem ist noch genug Potential in der Story, um den Leser auch auf ein schnelles Release von Band 3 hoffen zu lassen. Ich warte also wieder! Am 17. Januar ist es bei Altraverse soweit.

Cover © Altraverse 2018

Mayuzuki, Jun: After The Rain 2. 1. Auflage. Altraverse 2018. 164 Seiten. 10€. Romance, Seinen.