Als die Bataver den Römern den Krieg erklärten

Das auf drei Bände angelegte Werk Auguria von Peter Nuyten ist eine großartig recherchierte Graphic Novel, die die Ereignisse nach dem Tod Neros 68 n. Chr. aufgreift. Mit zahlreichen erklärenden Texten und bildhaften Zeichnungen wird das Römische Reich zum Leben erweckt. Mehr noch als nur das, auch das Interesse am Nachforschen über die historischen Hintergründe erwacht. Wenn ein geschriebenes Werk dies schafft, dann kann ich nur von einer fantastischen Lektüre berichten.

Auguria führt ins an die Grenze zwischen dem Römischen Reich und seinen germanischen Nachbarstämmen im Jahr 69 n. Chr. Nero ist gestorben und es gibt die bekannten Kämpfe um das Kaisertum in Rom und der ganzen bekannten Welt. Wir steigen ein in das Vierkaiserjahr und erleben den Kampf von Vitellius und Vespasian um die Vorherrschaft. Allerdings ist dies nur die Rahmenhandlung, denn eigentlich geht es Peter Nuyten um die Bataver.

Inhalt

Die Bataver sind in Rebellionsstimmung. Das Römische Reich nimmt ihnen die Freiheit und immer wieder werden ihre Söhne in die römische Armee zwangsrekrutiert, um Streitigkeiten im fernen Rom auszufechten. Der geschasste römische Offizier Julius Civilis möchte sich ebenfalls am Reich rächen. Gemeinsam wird ein Aufstand geplant, der schon schnell viele germanischen Stämme erfasst und Rom in Bedrängnis bringen sollte. Immerhin hat eine Auguria (Seherin) der Germanen einen glücklichen Verlauf der Rebellion vorausgesagt.

Rezension

Mich hat sofort die gründliche Recherche von Peter Nuyten beeindruckt, der in einem wissenschaftlichen Literaturverzeichnis am Ende der Graphic Novel deutlich macht, welche Quellen er konsultiert hat, um diese Geschichte aufzuschreiben. Es ist eine mehr als ausführliche Literaturliste. Respekt!

Die Zeichnungen sind klassisch-realistisch gehalten und passen sehr gut zum Thema. Mir gefallen die harten Gesichtszüge der Germanen und der römischen Truppen im Vergleich zu den weichen Formen der Aristokratie in Rom, die selten mit einem entbehrungsreichen Leben konfrontiert war. Die Farben sind matt, ein bisschen düster. Eben der regnerischen germanischen Heimat ähnelnd.

Auf einer angehängten Karte zum Bataveraufstand habe ich erkannt, dass meine Vorfahren wohl zum Stamm der Chatten gehörten. Ich recherchiere das weiter, denn die Graphic Novel hat mir Lust darauf gemacht.

Die Texte sind sehr ausführlich. Sprechelemente sind erklärend und der Leser erfährt enorm viel über die Zeit und Denkweise der Römer, aber auch der Germanen. Darüber hinaus gibt es viele Erklärungen in Textboxen und am Ende ein ausführliches Glossar.

Die Geschichte der alten Germanen mit ihren Göttern und Sehern, ihrer rudimentären Gesellschaft und ihren Ritualen begeistert von alleine. Nuyten gelingt es den historischen Fakten und Figuren Leben einzuhauchen. Meisterhaft verknüpft er seine fiktiven Elemente mit der echten Geschichte.

Immer wieder kommt es zu erzählerischen Höhepunkten und als Leser hat man das Gefühl, dass nun der Klimax der Geschichte kommt. Im nächsten Moment realisiere ich aber, dass ja noch zwei Bände kommen.

Wirkung

Die Geschichte ist hervorragend erzählt und sehr solide verwoben mit dem Schauplatzwechsel zwischen Germanien und Rom. Aber die Erzählweise ist es, die mich wirklich gepackt hat. Ich habe große Lust mehr über die germanischen Einflüsse in die römische Geschichte zu erfahren, alleine schon, weil ich das Gefühl habe, viel zu wenig darüber zu wissen.

Deshalb begeistert mich auch die Recherche, die Peter Nuyten in das Werk hineingesteckt hat. Er hat wirklich alles herausgeholt, was erzählerisch möglich war.

Fazit

Die Graphic Novel kann ich bedingungslos empfehlen. Ich liebe sie über alles und würde sie am liebsten gleich noch einmal lesen. Ich glaube durchaus, dass der Leser ein gewisses historisches Interesse haben sollte, ansonsten wird es wohl nichts. Aber für mich gehörte sie bisher 2019 zu den besten Sachen, die ich gelesen habe.

Da das alles sehr stimmig ist, vergebe ich an dieser Stelle erstmals 5/5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung. Die Zuschauer von historischen Serien wie Britannia auf Sky werden genau diese Graphic Novel ebenso lieben, wie ich es tue.

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Integralausgabe: Venezianische Affären 1 (Panini Comics)

Die Venezianischen Affären des Zeichner- und Autorenduos Éric Warnauts und Guy Raives kommt uns nun als Integralausgabe von Panini Comics über den Weg gelaufen. Und genau an dieser Stelle heißt es zupacken, Freunde! Es handelt sich um eine grandiose Geschichte, die den Leser in das Venedig des frühen 18. Jahrhunderts zurückführt.

Das sehr textreiche Werk besticht durch tolle Sequenzen und die Zeichnungen sind optimal gelungen, sehr klar und von großer Ausdrucksstärke. Die französische Originalausgabe umfasste neun Bände. Die Integralausgabe beinhaltet nun immer drei Bände, so dass von insgesamt drei Bänden auszugehen ist. Der zweite Band ist von Panini bereits für November 2019 angekündigt!

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Das blutige Erben der Azteken – Die Treibjäger 2

Lange habe ich auf den zweiten Teil der Treibjäger warten müssen, aber nun war der Moment endlich gekommen und ich habe mich sofort auf den zweiten Band gestürzt. Das Cover wirkt erneut sehr ansprechend und ich bin von der Geschichte ja schon im ersten Band sehr begeistert gewesen.

Wir erinnern uns kurz zurück – und das finde ich wirklich blöd, wenn so viel Zeit zwischen den Bänden liegt – es tobt in Europa der niederländisch-englische Krieg und die Engländer sind in einer verzweifelten Lage. Sie beschließen eine Expedition nach Mittelamerika loszuschicken, um eine Waffe der Götter zu finden, die bereits von den Azteken benutzt worden sein soll. Soweit nur grob.

Nun geht die Geschichte also weiter. Der Kampf um diese Götterwaffe entbrennt, da sich mehrere Parteien um den Besitz streiten.

Inhalt

Unsere Helden sind also in Mittelamerika und müssen sich gegen eine feindliche Partei behaupten. Dabei brechen nicht nur mit den Gegnern tiefe Gräben auf. Auch die eigene Gruppe ist sich nicht wirklich einig. Als der Kampf um die Vorherrschaft tobt taucht das Monster erstmals auf. Wir hatten es im ersten Band kaum zu sehen bekommen.

Gefällt euch die Rezension bis hierher? Dann könnt ihr auf meiner Webseite weiterlesen. Besucht mich bei Comanga!

Historisch-mystisches Japan in neuem Gewand

In der neuen Geschichte Kinder des Fegefeuers der japanischen Mangaka KarakaraKemuri geht es um eine Episode der japanischen Geschichte, die aufgepeppt mit Magie, Mystik und Fantasy den neuen Leser oder auch die Fans ihrer Erfolgsserie Unterm Wolkenhimmel begeistern werden.

Das Opening von Kinder des Fegefeuers ist von epischer Breite. Mit prachtvoll ersten Zeichnungen wird in die japanische Historie eingeführt. Die Geschichte ist im Jahr 1600 angelegt und funktioniert somit als Prequel zu Unterm Wolkenhimmel. Erfolgreiche Filmreihen und Serien machen es vor. Wenn eine Geschichte zu Ende geht, kann ein Prequel die darbenden Fans durchaus noch über einen gewissen Zeitraum zufriedenstellen.

Inhalt:

In Ohmi, wo nie die Sonne durch die dunklen Wolken bricht, liegt ein okkulter Schrein. Man sagt, dort lebt ein Zwillingspaar, das dem Fegefeuer entsprungen ist. Ein geheimer Auftrag hat den jungen Samurai Sakichi dorthin geführt. Angeblich wird er hier die Totenkopf-Hozuki finden, ein mächtiges Artefakt. Aber was genau ist das überhaupt? Die Zwillinge wissen es, aber Sakichi ahnt nicht, in welch Teufels Stricke er sich mit ihnen begeben hat.

Cover, Abbildungen & Inhalt © KAZÉ

Rezension:

Der Held der Geschichte ist Sakichi. Als Samurai dient er als Gefolgsmann seinem Landesherren. Sakichi ist ehrenhaft und loyal. Das zieht sich durch die ganze Geschichte durch.

Die Kumo-Zwillinge dagegen sind das bloße Gegenteil von Sakichi. Sie sind negative Figuren der Geschichte, auch wenn es nicht langweilig wird, wenn sie in der Geschichte ihre Auftritte haben.

Kunitomo Tobe dagegen scheint ganz auf der Wellenlänge von Sakichi zu liegen. Wenn sich hier nicht noch eine Love-Story entwickelt. Yuma vom Kunitomo-Clan scheint aber kein Freund von Sakichi werden zu können. Er hat das Wort „Rivale“ förmlich auf die Stirn tätowiert.

Die Geschichte bindet im ersten Band, auch wenn die Handlung manchmal droht etwas seicht zu werden. Es gibt viele Hinweise darauf, dass sich die volle Story erst in den kommenden Bänden wirklich entwickeln wird. Es müssen nun zunächst einmal die Hauptfiguren eingeführt werden.

Die Mischung aus Fantasy und Historie funktioniert für die Geschichte. Das historische Japan ist ein wunderbares Setting für die Heldensage, die sich zweifellos entwickeln wird. Legendenhafte Schlangen, Totenköpfe und seltsame Artefakte sorgen für Spannung.

Die Perspektive der Geschichte ist bisher nur einseitig. Es wird lediglich aus der Sichtweise von Sakichi erzählt. Das ist im ersten Band vielleicht aber auch noch nicht anders möglich.

Die Zeichnungen sind durchaus sehr anspruchsvoll und geben dem Manga ebenfalls einen gebührenden Hintergrund. Da die Geschichte aber sehr ernsthaft angelegt ist, stören mich die Chibi-Zeichnungen zwischendurch ein bisschen. Ich finde sie an den entsprechenden Stellen extrem unnötig. Das Potenzial der Geschichte reicht aus, auch ohne gekünstelte Slapstick-Einlagen auszukommen.

Fazit:

Die Story hat mich gefesselt und ich will absolut weiterlesen. Ich erwarte Großes in den nächsten Bänden und habe eine entsprechend hohe Erwartungshaltung. Wenn die Chibi-Zeichnungen nicht wären und die Geschichte noch ein bisschen dichter wird, sind 5 von 5 Punkten mehr als möglich. Eigentlich ist dieser Manga genau mein Ding, dennoch gebe ich bisher 4 von 5 Punkten. Aber eine dicke Leseempfehlung muss ich aussprechen. Eine Leseprobe findet ihr bei KAZÉ.

Ich bestelle jetzt sofort Band 2 und 3, die gibt es nämlich auch schon. Band 4 ist angekündigt und wird im April 2019 erscheinen.

Die Treibjäger: Die vergessene Waffe der Götter (Band 1)

Der Seekrieg zwischen den Niederlanden und England in der Mitte des 17. Jahrhunderts war eine scharfe Auseinandersetzung um Handels- und Wirtschaftsmonopole. Er dient diesem wunderbaren Werk als Kulisse. Mit einer großen Dynamik und einer stets anhaltenden Spannung führt das Autorenduo Tirso und David Muñoz den Leser in ein großes Abenteuer, dessen Ausmaße dieser Band noch gar nicht deutlich machen kann.

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